Der Keilvelterhof ist jedoch nicht nur regionales Frei-landmuseum, sondern auch ein Beschäftigungsprogramm für Jugendliche, die ohne berufliche Perspektive die Schule verlassen haben. Es handelt sich dabei um eine Kooperation zwischen OREG, dem Kommunalen Job Center des Odenwaldkreises sowie regionaler Betriebe, insbesondere den Mitgliedsunternehmen der Strahlemann-Initiative, mit dem Ziel, junge Menschen im Rahmen einer mehrmonatigen, praxis-nahen Beschäftigung auf die Arbeitswelt vorzubereiten.
Das Programm dauert rund sechs Monate und ist in zwei Abschnitte aufgeteilt: Zunächst erfolgt der Einsatz der Teilnehmer für etwa ein bis zwei Monate ausschließlich auf dem Hof. Dort werden die Jugendlichen in einer Arbeits-gewöhnungsphase mit wöchentlich 30 Arbeitsstunden in das Alltagsgeschehen auf dem Hof eingebunden und dabei unterstützt, wichtige Schlüsselkompetenzen und die notwendige Ausbildungsreife zu entwickeln. In dieser ersten Phase haben die Teilnehmer die Möglichkeit, Einblick in verschiedene Berufsbilder zu erhalten, um ihnen über die Talenterkennung eine Berufszielfindung zu ermöglichen. Praktisch erproben können die Jugendlichen ihre Talente in der Denkmalpflege, bei Schreiner- und Zimmerer-arbeiten, in der Hauswirtschaft und Gastronomie, Gärtnerei und Landwirtschaft, (ab Mitte 2009 auch im Bäckerhandwerk) sowie weiteren Handwerken (u.a. Maurer, Maler und Lackierer). Dank finanzieller Unterstützung der Strahlemann-Initiative und weiterer regionaler Unternehmen konnte 2004 eine voll ausgestattete Schreinerwerkstatt eingerichtet werden und damit auch die Teilnehmerzahl von ursprünglich sechs auf zwölf erhöht werden.
Betreut werden die Jugendlichen durch qualifizierte Anleiter, die die Kenntnisse in den einzelnen Arbeitsbereichen vermitteln. Zum Betreuungsteam gehört zudem noch eine „Ausbildungslotsin“: Dabei handelt es sich um eine sozialpädagogische Fachkraft, die die Jugendlichen während des gesamten Programms begleitet. Weiterhin bildet sie aber auch die Schnittstelle zu ausbildungsbereiten Unternehmen in der Region, denen sie mit Rat und Tat bei der Einrichtung und Besetzung von Ausbildungsstellen zur Seite steht. Durch ihre Einbindung in die Organisation der OREG und enge Zusammenarbeit mit der Strahlemann-Initiative sowie durch ihre Nähe zu den regionalen Betrieben hat die Ausbildungslotsin ideale Voraussetzungen, um für jeden Jugendlichen passgenaue Praktikastellen in der Umgebung zu finden. Sie kann damit den anschließenden Übergang in entsprechende Ausbildungsverhältnisse aktiv mitgestalten und begleiten.
Im Schnitt wurde bislang die Hälfte der Teilnehmer erfolgreich in eine Ausbildungsstellen oder einen Arbeitsplatz vermittelt und schaffte dadurch den Sprung ins Arbeitsleben. Dass in den Jugendlichen teilweise enorme Potenziale liegen, die durch gezieltes Fördern und Fordern geweckt werden können, hat eine Teilnehmerin bewiesen, die 2004 eine Ausbildung in einem Restaurant in Reichelsheim begonnen hat und 2007 als beste Restaurantfachfrau Deutschlands ihre Lehrzeit abgeschlossen hat. Nicht selten werden Unternehmen, die einen Jugendlichen bzw. eine Jugendliche aus dem Jugendprogramm in Ausbildung genommen haben, zu „Serientätern“ und fragen, aufgrund der guten Erfahrungen die sie gemacht haben, auch in den Folgejahren bei der Besetzung neuer Ausbildungsplätze gezielt nach einem „Jugendlichen vom Keilvelterhof“. Und immer mehr Betriebe aus der Region, vor allem aus dem Handwerk, erkennen, dass in dem Jugendprogramm eine Antwort auf den drohenden Fachkräftemangel liegen kann und unterstützen die Arbeit auf vielfältige Weise (Praktikastellen, Sachspenden, soziale Projekte von Mitarbeitern auf dem Hof etc.).
Die weitere Entwicklung
Hohe Akzeptanz erfahren der Keilvelterhof und sein Konzept der gelungenen Kombination von Jugendberufshilfe und Denkmalschutz aber auch von großen, überregionalen Unternehmen, ohne deren finanzielle Unterstützung der Ausbau der Einrichtung nicht zu leisten wäre: Im Juni 2009 wurde ein Backhaus auf dem Hof eingeweiht, das von der Metzler-Stiftung, Frankfurt, gestiftet wurde. Zukünftig werden die Jugendlichen dann für sich herausfinden können, ob sie im Berufsbild des Bäckers eine berufliche Perspektive sehen. Zum anderen wird das Angebot von frischem, hausgemachtem Brot auch die Attraktivität des Hofes für Besucher weiter steigern. Weiterhin wurde gemeinsam mit der Strahlemann-Initiative ein Antrag zur finanziellen Unterstützung für den Bau und die Einrichtung einer Metallwerkstatt an die Fraport-Stiftung „ProRegion“ gestellt. Die Bauarbeiten hierfür werden im Herbst 2009 beginnen.
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Rund 40 Jugendliche, die ohne berufliche Perspektive die Schule verlassen haben, nehmen jedes Jahr am Jugendprogramm Keilvelterhof teil.
Mehr als die Hälfte von ihnen konnte erfolgreich auf eine Lehrstelle oder einen Arbeitsplatz vermittelt werden und schafften dadurch den Sprung ins Arbeitsleben.
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